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Muss die Fotografie die Wirklichkeit abbilden oder kann sie ihre eigene Welt erfinden? Die Ausstellung “RealSurreal” zeigt die Anfänge der avantgardistischen Fotografie. Die Kulturpolitik hat aus dem Fall Gurlitt gelernt. Viele Museen zeigen sich aber weiter ignorant und hartherzig, dabei sollten sie längst ihre Bestände untersuchen. Unser Kolumnist wollte einen Fransenschnitt. Nun muss er eine Kapuze tragen. Im Fax der Woche klagt uns der Lädierte sein Leid. Wenn wir sie im Zoo hinter Panzerglas oder Gittern sitzen sehen, scheinen sie uns fremd. Aber ohne Affen wären wir nicht in der Lage zu erkennen, wer wir selbst sind. Die Hip-Hop-Gemeinde hat das neue Album von Haftbefehl erwartet wie eine Epiphanie. Dabei geht es um Literatur! Der Offenbacher ist der deutsche Dichter der Stunde. Wenn die Wirklichkeit mangelhaft ist, sollen wenigstens die Songtexte perfekt sein: Das Berliner Label Staatsakt kuratiert die klügste Popmusik des Landes. Professx Lann Hornscheidt hat eine Gender-Debatte entfacht. Wie der antifeministische Untergrund sich nun radikalisiert und was Ulfharaldjanmatthias damit zu tun haben. Stevie Jones und sein Orchester Sound of Yell entlocken dem Folkpop die Natur. Das Album “Brocken Spectre” ist wie gemacht für Optimierungsmüde mit Ursprungssehnsucht. Eine so wandelbare Stadt wie Berlin hat keine spezifische Literatur. Der Arte-Film “Berlin Stories” sucht trotzdem nach einem erzählerischen Fußabdruck der Hauptstadt. Deutsche Verleger erstarren in Fortschrittsfeindlichkeit, statt neue Technologien zu umarmen. Sogar das EU-Parlament haben sie mit ihrer Googlephobie angesteckt.